Befürchtung der Grünen Kreistagsfraktion wird wahr! RWE wird 2016 keine Dividende auszahlen.

Dem Hochsauerlandkreis fehlen demnach sechs Millionen Euro für den Haushalt 2017, nimmt man zum Vergleich die Dividende von 2015 von einem Euro pro Aktie. Selbst wenn es dieses Jahr nur 0,50 € Dividende gegeben hätte, wären dies immerhin drei Millionen Euro gewesen. Nun gibt es dieses Jahr voraussichtlich- gar nichts. Das entstehende Finanzloch werden die Kommunen höchstwahrscheinlich über die Kreisumlage 2017 ausgleichen müssen.

Die Grüne Kreistagsfraktion hat über Jahre hinweg plädiert, die RWE-Aktien zu verkaufen und angeregt, den Erlös doch in Erneuerbare Energien oder Sozialprojekte einzusetzen. Waren es bei den Grünen anfangs hauptsächlich ögologische Beweggründe, die RWE-Aktien abzulehnen, so mussten sie die letzten drei Jahre zusätzlich massiv ökonomische Kritik anführen, sprachen gar von der Gefahr der Geldvernichtung für den Hochsauerlandkreis.

Aktuell ist es „nur“ die Dividende, die wegbricht. Was passiert, wenn auch der Wert der einzelnen Aktien weiter einbricht? Der Hochsauerlandkreis besitzt sechs Millionen RWE-Aktien. Nehmen wir einen noch „guten Preis“ von 12,00€ pro Aktie , so wären das 72.000.000 €. Damit kann man viel machen!

Die Grüne Kreistagsfraktion hatte sich 2015 gut über die Sachlage des Konzerns informiert und dem Hochsauerlandkreis als „Warnung“ eine detaillierte Anfrage zu den RWE-Aktien vorgelegt. Wer die Fakten noch einmal nachschauen möchte, bitte weiterlesen.

Anfrage der Grünen Kreistagsfraktion vom 21.09.2015

Sehr geehrter Herr Landrat Dr. Schneider,

In den letzten Tagen häufen sich in den Medien die negativen wirtschaftlichen Prognosen und Hintergrundinformationen für den Konzern RWE, ein Sachverhalt, der die Grüne Kreistagsfraktion nicht sonderlich überrascht!
Hat die Grüne Kreistagsfraktion in den 90er Jahren noch aus rein ökologischen Gründen gegen die HSK-Beteiligung an RWE in Form von Aktien gestimmt, so mussten wir unsere Argumentation seit den 2000er Jahren um ökonomische Argumente erweitern, als sich bereits abzeichnete, dass Co2-Problematik und Ewigkeitslasten für Kohle und Atomkraft finanziell schwerwiegende Veränderungen bringen würden. Seit Fukushima 2011 und einem weiterhin energiewirtschaftlich völlig verfehlten Managements seitens RWE argumentiert die Grüne Kreistagsfraktion mittlerweile neben klimapolitischen Aspekten auch vehement mit vielen ökonomischen Argumenten gegen den Erhalt der verfallenden RWE-Aktien ohne Gehör zu finden und das, wo sich ja eigentlich besonders die CDU ökonomischen Durchblick auf die Fahne schreibt!

Im Blick auf die kommenden Haushaltsdebatten möchten wir als Grüne deshalb anfragen, wie Sie, Herr Landrat Dr. Schneider, angesichts mittlerweile vieler drückender Argumente gegen RWE-Aktien, die weitere Vorgehensweise einschätzen. Dazu möchten wir Ihnen zunächst nur einige unserer Gegenargumente noch einmal aufzählen.

 27. August 2015 Die Ratingagentur Standard and Poor`s stuft die Kreditwürdigkeit von RWE auf BBB herunter, Tendenz negativ. Nun kann man über Ratingfirmen denken, was man will, aber wirtschaftliche Hintergründe bei RWE sehen tatsächlich nicht gut aus:

 Verschuldung Stand März 2015: 27 Milliarden €
Diese „niedrige“ Summe wurde erreicht durch den Verkauf der RWE-Tochter DEA, nicht etwa durch Tilgung per Gewinne. Der im März abgeschlossene Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea an ein Konsortium des russischen Oligarchen Michail Fridman brachte inklusive Zinsen 5,3 Milliarden Euro ein. Dank des Verkaufs sanken die Schulden seit dem Jahresbeginn um gut zehn Prozent auf 27,7 Mrd. €.
 Atomrückstellungen zur Zeit vorhanden: 10,4 Mrd €, erforderlich sind aber 20 Mrd €. Wie man jüngst bei EON gesehen hat, kann RWE die Konzept-Idee „Abspaltung der Atom-Altlasten-Verantwortlichkeit“ an ein neu gegründetes Unternehmen vergessen. Also muss RWE selber zahlen!
 Rückstellungen im Braunkohletagebau geschätzte 500 Mill €
 Für RWE ist die Braunkohle aktuell die wichtigste Energiequelle: Von den 208 Milliarden Kilowattstunden Strom, die der Konzern 2014 erzeugte, stammten 37 Prozent aus Braunkohle, gefolgt von der Steinkohle mit 23 Prozent. 18 Prozent entfielen auf Gas, 15 Prozent auf die Atomkraft. Der Anteil der erneuerbaren Energien – im bundesweiten Strommix zwischenzeitlich auf dem Weg, die 30-Prozent-Marke zu knacken – lag bei nur 5 Prozent!
Ein Rückgang der Braunkohleverstromung in Deutschland trifft RWE gleich doppelt, da RWE sowohl die Kraftwerke als auch die Tagebaue betreibt. 2014 hat sie in ihrem Hauptabbaugebiet im Rheinland 93,6 Millionen Tonnen gefördert. Davon wurden 80,4 Mio. in eigenen Kraftwerken verstromt…
In seinem jüngsten Geschäftsbericht konstatierte der Konzern bereits, es deckten „einige Kohlekraftwerke nicht einmal ihre laufenden Betriebskosten“.
 Gemeinschafts-Kohlekraftwerk Hamm (GEKKO), 1,6 MW, 2,5 Mrd. € Baukosten, Dortmunder Anteil 5,5 %, jährliche Verluste 15 Mio. € für Dortmund.
 Entwicklung CO2-Zertifikate völlig offen, z.Zt. 8,20 €, Tiefstkurs 5,70 € / Oktober 2014
 EuGH-Entscheidung offen: Brennelemente-Steuer: ca. 350 Mio. € pro Jahr

Wir möchten schließen mit einem Zitat:
26. Dezember 2014: „Die Unternehmen RWE und Eon sind unter riesigem Druck. Eines ist mehr oder weniger tot, das andere in einer schwierigen Situation“, so Henri Proglio, ehemaliger Vorsitzender des weltweit zweitgrößten Stromerzeugers, Électricité de France, die Öffentlichkeit wissen.

Die RWE-Aktien haben dem HSK sicherlich aus wirtschaftlicher Sicht lange Zeit gute Dienste erwiesen, auch wenn uns Grünen natürlich die klimapolitisch schlechte Ausrichtung des Konzerns RWE ein Dorn im Auge war. Mittlerweile stimmen aber auch ökonomische Befürwortungen nicht mehr!

Wie schätzen Sie, Herr Landrat, das weitere Vorgehen des Hochsauerlandkreises bezüglich der RWE-Aktien ein? Ist es nicht jetzt an der Zeit, sofort die Aktien zu verkaufen, da RWE nie wieder auf das Aktienniveau vergangener Jahre kommen wird?
Muss das Aktienvermögen des HSK nicht ein weiteres Mal neu bewertet werden, um den weiteren Wertrückgang abzubilden?

Mit freundlichen Grüßen
Antonius Vollmer
Fraktionssprecher B90/Die Grünen

1 Kommentar

  1. Oliver Gosciniak

    Hallo Herr Vollmer,

    gut dass Sie diesen Brief verfasst haben!
    Was hat der Landrat Schneider denn geantwortet?

    Mit freundlichen Grüßen
    Oliver Gosciniak
    FossilFree

    Antworten

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