Die ärztliche Versorgung im Hochsauerlandkreis steht vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen. Während es in einzelnen Orten wie Winterberg durch gezielte Nachwuchsförderung und gelungene Praxisübergaben gelingt, eine stabile hausärztliche Versorgung zu sichern, zeigt sich in anderen Städten und Gemeinden, wie fragil das System insbesondere im ländlichen Raum geworden ist. Beispiele wie Hallenberg oder Meschede machen deutlich, dass drohende Praxisaufgaben, fehlende Kassensitze und lange Wartezeiten längst Teil des Alltags vieler Bürgerinnen und Bürger sind.
Besonders problematisch ist dabei die Diskrepanz zwischen der offiziellen ärztlichen Bedarfsplanung und der tatsächlichen Versorgungssituation vor Ort. In Meschede erleben viele Menschen seit Jahren eine faktische Unterversorgung im fachärztlichen Bereich – trotz statistischer Einstufung als ausreichend versorgt. Lange Wege, monatelange Wartezeiten und Aufnahmestopps sind für Patientinnen und Patienten nicht länger hinnehmbar.
Unser Ziel ist eine flächendeckende, verlässliche medizinische Versorgung im gesamten Hochsauerlandkreis. Gesundheit darf keine Frage des Wohnortes sein.
Bedarfsplanung reformieren – Realität vor Ort ernst nehmen
Die ärztliche Bedarfsplanung muss realistischer, regional differenzierter und stärker am tatsächlichen Bedarf der Menschen ausgerichtet werden. Kommunen und der Kreis können dazu beitragen, indem sie reale Versorgungsdaten wie Wartezeiten, Praxisaufnahmestopps und Fahrtwege systematisch erfassen und in die regionalen Gesundheitskonferenzen einbringen. Diese kommunale Perspektive muss gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung und der Landespolitik stärkeres Gewicht bekommen, damit Unterversorgung anerkannt und zusätzliche Kassensitze ermöglicht werden.
Haus- und Kinderärzte gezielt fördern – Niederlassung erleichtern
Die haus- und kinderärztliche Versorgung bildet das Rückgrat unseres Gesundheitssystems. Gerade im ländlichen Raum braucht es dafür neue, flexible Lösungen. Kommunen können aktiv unterstützen, indem sie Praxisräume bereitstellen, Praxisübernahmen begleiten oder sich an kommunalen und interkommunalen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) beteiligen. Angestelltenmodelle, Teilzeitlösungen und gute Rahmenbedingungen für Familie und Beruf machen den Standort Hochsauerlandkreis für junge Ärztinnen und Ärzte attraktiver. Programme wie „Land in Sicht – Ärzte für morgen“ sind dabei wichtige Bausteine, müssen aber durch kommunales Engagement ergänzt werden.
Telemedizin sinnvoll integrieren – ergänzen statt ersetzen
Telemedizin kann helfen, Versorgungslücken zu schließen, insbesondere in dünn besiedelten Regionen. Digitale Sprechstunden, Telekonsile zwischen Haus- und Fachärzten oder telemedizinische Angebote in Pflegeeinrichtungen können Wege verkürzen und Wartezeiten reduzieren. Gleichzeitig ist klar: Telemedizin darf die persönliche ärztliche Betreuung nicht ersetzen, sondern muss sie sinnvoll ergänzen. Voraussetzung dafür sind eine gute digitale Infrastruktur und gezielte Unterstützungsangebote, insbesondere für ältere Menschen.
Krankenhäuser und Notfallversorgung sichern – Daseinsvorsorge schützen
Die Krankenhäuser und die Notfallversorgung im Hochsauerlandkreis stehen unter massivem wirtschaftlichem Druck. Die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens gefährdet die wohnortnahe stationäre Versorgung. Wir setzen uns für den Erhalt notwendiger Krankenhausstandorte ein, für gut ausgestattete Notaufnahmen und für eine Krankenhausfinanzierung, die sich am tatsächlichen Versorgungsbedarf der Menschen orientiert – nicht an Gewinnmargen. Der Schutz von Geburtsstationen und eine verlässliche Hebammenversorgung sind dabei zentrale Bestandteile einer menschlichen Gesundheitsversorgung.
Pflege stärken und Altern in Würde ermöglichen
Pflegekräfte tragen die Gesundheitsversorgung maßgeblich, arbeiten jedoch häufig unter enormer Belastung. Wir fordern bessere Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und mehr Personal. Gleichzeitig braucht es vor Ort vielfältige Pflege- und Unterstützungsangebote: von ambulanten Pflegediensten über neue Wohnformen wie Pflege-WGs oder Mehrgenerationenhäuser bis hin zu nachbarschaftlichen Hilfsstrukturen. Kommunale Pflegeberatung und gut vernetzte Versorgungsangebote sind entscheidend, um ein selbstbestimmtes Leben im Alter zu ermöglichen.
Gesundheitsverwaltung stärken – krisenfest und handlungsfähig
Eine leistungsfähige kommunale Gesundheitsverwaltung ist unverzichtbar, um auf Krisen schnell und wirksam reagieren zu können. Dazu gehören gut ausgestattete Gesundheitsämter, klare Zuständigkeiten und eine enge Zusammenarbeit zwischen Kreis, Städten und Gemeinden. Prävention und Gesundheitsförderung müssen dabei stärker in den Fokus rücken – von der Kita bis ins hohe Alter.
Die Beispiele aus dem Hochsauerlandkreis zeigen: Einzelne Erfolge dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das System insgesamt unter Druck steht. Die Sicherstellung einer wohnortnahen, solidarischen und zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung ist eine der zentralen politischen Aufgaben der kommenden Jahre. Dafür braucht es entschlossenes Handeln auf kommunaler Ebene und starken politischen Einsatz gegenüber Land und Bund – im Interesse aller Menschen im Hochsauerlandkreis.